Auslandstierschutz

„Ihre Dankbarkeit ist immens, sie vergessen nicht, was sie hinter sich haben und geben ihren Menschen daher leidenschaftlich all die Liebe zurück, die sie bekommen – und noch viel mehr. Ihr Wille, alles richtig zu machen und sich anzupassen, ist in der Regel enorm. Sie haben viel zu lernen, aber sie lernen schnell, wenn sie endlich keine Angst mehr haben müssen. Und sie bringen gute Voraussetzungen für ihr neues Leben mit. Ihr Sozialverhalten ist eigentlich immer einwandfrei, sie sind fast ausnahmslos verträglich mit ihren Artgenossen, meistens auch mit Katzen und sowieso mit großen und kleinen Menschen…“

Nein, das ist nicht die Beschreibung einer neuen wunderbaren Hunderasse, sondern ein Text, mit dem Hunde von einer in Südeuropa engagierten Tierschutzorganisation zur Vermittlung nach Deutschland, Österreich und die Schweiz angeboten werden. Eigenschaften, von denen jeder Hundehalter träumt und die insbesondere dem ungeübten Laien einen seligen Glanz in die Augen zaubert. Da ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen sich für einen Hund aus dem Ausland entscheiden, während deutsche Tierheime weiterhin aus allen Nähten platzen. Häufig noch unterstützt durch – vor allem weibliche – Charity- und TV-Stars, die sich für die Rettung und Vermittlung vor allem süd- und osteuropäischer Hunde einsetzen, bekommt der Auslandshund die Absolution als Rundum-Sorglos-Hausgenosse und damit die Chance, im zivilisierten Norden ein neues, besseres Leben zu beginnen.

Hund ist nicht gleich Hund, Haltung nicht gleich Haltung

Die Haltung von Hunden in unseren süd- und osteuropäischen Nachbarländern ist nicht mit der in Mittel- oder Nordeuropa vergleichbar. Ein Leben als vierbeiniger Gefährte, Freizeit- und Sozialpartner mit Familienanschluss, womöglich noch regelmäßigem Besuch der Hundeschule, ist den meisten Hunden unbekannt. Vielmehr überwiegt eine Hundehaltung, die „Nutzcharakter“ hat – so verbringen viele Hunde ihr Leben an der Kette, als Hofwächter oder Helfer bei der Jagd oder an der Herde. Soziale Qualitäten gegenüber Menschen sind zweitrangig, ja oftmals gar nicht erwünscht, sollen die Hunde doch andere Anforderungen erfüllen und sich dabei durch nichts ablenken lassen. Hunde, die die ihnen zugedachten Aufgaben nicht erfüllen, werden – freundlich gesagt – von der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen. Von der Abgabe im Tierheim, aussetzen oder auch töten ist alles drin. Unter dem zunehmendem Druck der Medien vor allem in Touristenregionen trauen viele Tierheime sich mittlerweile nicht mehr, die abgegebenen Hunde nach einer Wartezeit einzuschläfern oder auf andere Art zu töten. Neben den Hunden, die aus welchem Grund auch immer in einem Tierheim oder einer Auffangstation landen, gibt es, vor allem im Süden, viele herrenlose Hunde, die klassischen Streuner.

Familienhund, Nutztier, Streuner – das also sind die Kategorien, in die sich die Hunde aus dem Süden und Osten Europas einordnen lassen, wobei, wie gesagt, die Anzahl der Familienhunde in unseren Sinne gegenüber den anderen beiden Gruppen stark  in der Unterzahl ist. Und selbst diese Familienhunde werden – je nach Land – doch anders gehalten als in bei uns üblich.

Sinnvoll helfen

Bei der Beurteilung der Haltungsformen in anderen Ländern werden meist Maßstäbe angelegt, die auf unserem Verständnis und unserer Ethik im Umgang mit Tieren, insbesondere Haustieren, basieren. Sie gründen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht zuletzt auf vernünftigen und über Jahre gewachsenen, immer wieder überarbeiteten Tierschutzgesetzen und können, ja dürfen nicht auf das Tierverständnis anderer Länder und Kulturkreise übertragen werden.

Wer diesen Tieren – und hier insbesondere den Hunden – wirklich helfen möchte, sollte sich zumindest an eine Tierschutzorganisation wenden, deren vorrangiges Ziel es ist, vor Ort Hilfe und Aufklärung zu leisten und die vorzugsweise mit einer inländischen Organisation zusammenarbeitet, falls der Hund dann doch nicht so sozialverträglich, kinderlieb und kooperationsbereit ist wie angekündigt…

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